Crossnotes

Ein Projekt von Stephanie Neumann und Jonas Breme.

Eine Kreuzung im Zentrum von Berlin – an der Schnittstelle von drei Stadtbezirken, zwischen Altbau und Neubau, Proletariat und Gated Community. Eine Art Zwischenraum, fast eine Art Nicht-Ort und dennoch mehr als Straßenlärm und Großstadthektik.

»When attachment to place grows, we start to identify ourselves with these places.« (Dr. M. V. Giuliani, 2003)

Eine stärkere Verbundenheit der Menschen zu einem Ort fördert die Identifikation mit diesem. Sind es nicht oftmals die persönlichen Geschichten, die uns mit einem Ort verbinden? Wir untersuchen, inwieweit persönliche Erlebnisse und Geschichten die Verbundenheit zu einem Ort stärken können.

Geschichten sammeln

Um die Ortsverbundenheit greifbar zu machen und sie zu stärken, sammeln wir persönliche Erlebnisse und Geschichten und bringen sie zurück an den Ort ihres Geschehens. Mit Crossnotes schaffen wir dafür drei Möglichkeiten:

Die Marker sind an der Kreuzung zum Einsammeln von kurzen Erinnerungen im öffentlichen Raum. Auf der Straße wo Leute oft nur eine Ampelphase Zeit haben, können Passanten die selbstklebenden Marker aus Pappe platzieren. Eine Notiz, die kurz darauf auf einem der Marker zu lesen ist:

»Hier hab ich schon mal… gewartet, gegessen, telefoniert, gelabert, mich geärgert, Schluss gemacht, Kaffee getrunken.«

Eine Truhe wird mit der Aufbewahrung von besonderen Dingen verbunden. Und so ist die mobile Geschichtentruhe im privaten Raum zum Einsammeln persönlicher Geschichten. Mit dem Öffnen der Truhe startet die Tonaufnahme:

»Und da sag ick: ‚Mensch, ick möchte auch ma nen Neubau haben. So Wasser aufdrehen, warm Wasser kommt rausʼ. Na und dann hat meen Mann sich bemüht und da kam er dann eenes Tages an und sacht: ‚Wir können uns heute ne Wohnung angucken.ʼ Und das war gleich die erste Wohnung hier in der Straße.«

Das Wohnzimmer ist ein temporärer, halb-privater Raum in der Öffentlichkeit für kurze Anekdoten und Meinungsäußerungen zur Nachbarschaft. Um die Videoaufnahme zu starten, schaltet man eine alte Wandlampe an:

»Ich bin heut morgen etwas neben der Spur. Und wollte mich mal darüber beschweren, dass all die schönen Clubs hier in der Nachbarschaft zumachen müssen und ich muss dann extra nach Kreuzberg fahren und bin dann jetzt heute total übermüdet.«

Die Sammlung all dieser persönlichen Nachbarschaftsgeschichten ist jedoch nur der erste Schritt. Nun stellt sich die Frage – wie kommen diese wieder zurück an den Ort?

Ein Geschichtenradio geht auf Tour

Eine Box, die an ein Radio erinnert, hängt an der Haltestelle. Zwei junge Männer stehen davor und lauschen. Später ist es ein älterer Mann mit Pfeife und Hackenporsche. Eine junge Frau bleibt stehen und drückt den Knopf für die nächste Geschichte. Sie lässt ihre Straßenbahn fahren, hört weiter zu.

»Wenn ick jetz wüsste, die wohnen da und da. Ick wüsste nich wie ick mich denn verhalte. ‚Tach, ick bin euer Vater. Hier bin ick.ʼ Na dit würd ick wahrscheinlich ooch nich machen. Die waren ja noch kleen. Det einzige wat se jesacht ham an der Tür: ‚Bleib hier!ʼ Also dit werdʼ ick meen Leben nich verjessen. Aber wie man eben war im Suff – wat jeht mir dit an.«

Presse & Talks

Ausgestellt auf der Buchmesse in Leipzig, 2013.
Ausgestellt auf der City of Flows Conference in Potsdam, 2012.
Artikel auf Spiegel Online, 2012.
Interview auf Design made in Germany, 2012.
Talk im BMW Guggenheim Lab, 2012.
Conference Panel auf der republica, 2012.
Projekt auf connectedcity.eu.

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