Fummel da jetzt nicht rum! Interventionen und Eisbrecher in anonymen Nachbarschaften.

Master Thesis von Stephanie Neumann an der FH Potsdam im Bereich Interface Design.

Mimosen im Fahrstuhl, ein Wohnzimmer im Park, ein Geschichtenradio auf Tour – und wie weit reicht Nachbarschaft?
Betrachtet man die gegenwärtige Situation, so wohnen in urbanen Räumen immer mehr Menschen auf dichtem Raum. Gleichzeitig werden wir immer mobiler und unsere Sozialkontakte sind immer seltener an einen Ort gebunden. In den letzten Jahren haben die entlokalisierten sozialen Netzwerke, die sich räumlich über weite Entfernungen verteilen können, die nachbarschaftlichen Netze scheinbar überflüssig gemacht. Zudem gehen die Vorstellungen von Nachbarschaften und die Bedürfnisse von Menschen mit unterschiedlichen Lebensentwürfen weit auseinander. Legt der Eine großen Wert auf Anonymität, so wählt ein Anderer gezielt sein Wohnumfeld passend zu seiner Lebensvorstellung und der Dritte ist wenig mobil und ohne soziale Kontakte und angewiesen auf die Nachbarschaft. Mit den unterschiedlichen Vorstellungen und Erwartungen ändern sich die Anforderungen an Nachbarschaft(en), und es stellt sich die Frage nach der gemeinsamen Basis: Wo verläuft die Grenze zwischen der als Freiheit empfundenen Anonymität der Großstadt und der sozialen Isolation von Menschen, die direkt nebeneinander wohnen?

Fummel da jetzt nicht rum!

In einem Hochhaus mit 136 Wohneinheiten leben vergleichsweise so viele Nachbarn wie in einem Dorf. Die Strukturen ihres Zusammenlebens sind jedoch meist anonym und von einem Zurückziehen in das Private gekennzeichnet. Isolation und Einsamkeit sind keine Seltenheit. Das Knüpfen der, für die gefühlte Lebensqualität der Menschen wichtigen, so genannten schwachen Bindungen (Granovetter, 1973) wird in derartigen Strukturen wenig gefördert. Eine einfache Kontaktaufnahme zu den Nachbarn kann für den Einzelnen wenig natürlich erscheinen und zu einer Herausforderung werden.

»Es ist total urban und anonym hier – man kann nicht zu allen Kontakt aufnehmen. Da schottet man sich eher ab und bleibt allein.« (Bewohner)

Vor diesem Hintergrund wird in dieser Arbeit das Leben in anonymen, divers strukturierten Wohnverhältnissen exemplarisch anhand eines Forschungsfelds im Zentrum von Berlin untersucht. Auf dem Grat zwischen Anonymität und Verbindlichkeit geht es insbesondere darum, das Knüpfen der schwachen Bindungen zu fördern, sowie Designkonzepte und Interaktionsszenarien zu entwickeln, die die Qualität nachbarschaftlichen Lebens erhöhen. Mit Hilfe der Interventionen, dem bewussten Eingreifen in die existierende Nachbarschaft, wird der Bezug der Menschen zu ihrem direkten Umfeld exploriert und der bestehende Nachbarschaftsbegriff hinterfragt (u.a.: Mimosa, Timeshaft). Parallel dazu werden mit Workshops und Interviews mit Bewohnern – als Experten ihres Lebensraums – Bedürfnisse, bestehende Netzwerke und Alltagsstrategien analysiert.

Projekt Website: www.connectedcity.eu
Mentoren: Prof. Dr. Frank Heidmann, Prof. Reto Wettach
Zeitraum: 2010-2012
Konferenzen & Talks: re:publica, BMW Guggenheim Lab, CHI Sparks
Presse: Spiegel Online, Design Made in Germany
Ausgestellt auf der Applaus 2012, Potsdam

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